Leserbrief zu „Höchstadts Herz braucht viele Schrittmacher“, NN 31.01.2018

Leserbrief zu „Höchstadts Herz braucht viele Schrittmacher“, NN 31.01.2018


Auch „belebende“ Euro sind öffentliche Gelder aus der Stadtkasse. Wo werden sie ggfs. fehlen?
Erst die Innenstadt ruinieren und dann soll der Bürger wieder zahlen? Die Ansprache des
„aktiven“ Bürgers mit einem Wohlgefühl vermittelnden Dreiklang von „Genossenschaft“,
„beleben“ und „attraktiv“ soll offensichtlich den von der Politik zu veranwortenden
Niedergang der Stadt vertuschen. Es gab tatsächlich Zeiten einer blühenden, lebendigen
Innenstadt mit einem vielfältig strukturierten Einzelhandel, von dessen Arbeitsplätzen Familien
und Angestellte leben konnten. Ein EKZ hingegen ist der Triumpf von Konzernpolitik über das
individuell bewährte Geschäft lokal beherrschter Versorgung. Freihandel hat noch nirgendwo
allgemeinenWohlstand geschaffen, von den miesen Arbeits- und Sozialbedingungen, wie etwa
bei H&M, ganz zu schweigen.
Wer über finanzielle Ressourcen verfügt, wird sich nun in HÖS in eine Genossenschaft
„einkaufen“ können, in der Bürger zu „Investoren“ werden, „mitreden“ (wo sie ansonsten bei
der Obrigkeit nichts zu melden haben – s. Sparkassenfusion etc.) und „mitgestaltend“ dem
politisch induzierten Innenstadtkahlschlag entgegenwirken können. Wie viele der derzeit
leerstehenden Läden werden die Eigentümer notgedrungen in Wohnungen umwandeln?
Shoppingcenter saugen Menschen komplett ein und unterwerfen sie ihrer Kontrollmacht, eine
„goldene Zwangsjacke“. Neben dem gemeindlichen Flächenausverkauf stehen die geplanten
„Steuerungsmöglichkeiten“ der „Bürgergenossenschaft“ allerdings in Konkurrenz gegen einen
Niedriglohnsektor gerade im Dienstleistungsbereich, der an Selbstausbeutung grenzen kann.
Ein Trick, der die städtische Kontrolle auch über kulturelle (?) Bürgeraktivitäen verwirklichen
und ggfs. nicht gewollte Themen oder Vereinsaktivitäten ausschalten hilft, könnte später in
einer Neudefinition der Genossenschaftsaktivitäten liegen. Bürgermeister Brehm hatte
seinerzeit deutlich gemacht, daß er mit der Kinokonkurrenz, diesmal „rechtlich wasserdicht“,
weitermachen werde. Nun kann die Stadt zu sog. „Partnern“ outsourcen. Natürlich stört ein
Kino, daß sich auch „Bürgermeister für den Frieden“ und dem Anti-Kriegsgedanken
verpflichtet fühlt, dazu aktive und kompentente Bürger(meister) einlädt, was die Stadt – obwohl
Mitglied -, seit Jahren boykottiert.
Es ist schon seltsam: In den EKZ’s existieren sog. Vollsortimenter, wir haben Biolett, Brunner
etc. Nun soll in der Innenstadt zunächst wie in einem Biotop eine „Nahversorgung“
heranwachsen und nach geraumer Zeit in „marktgerechter“Anpassung dem renditezehrenden
„freien Markt“geöffnet werden. Wollen Sie so gesehen werden? Genossenschaften stehen
eigentlich in einer humanen Tradition aus Kooperation und sozialer Verbundesheit.
Protektion war schon immer ein Schutz für lokales Wirtschaften. Das wußte schon Max Brehm,
der dieses vorbildliche, segensreiche, bundesweite Wirken der Adenauerregierung nach dem
Krieg dokumentiert hat. Ihm war es ein Anliegen, daß Wirtschaften (damals verdiente es noch
den Namen „sozial“) anstatt kurzfristiger Gewinnmaximierung (EKZs) im Dienste aller
erfolgen sollte. Davon haben sich die hiesigen Stadtratsideologen des „freien Marktes“
meilenweit entfernt.

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