PRESSETEXTPaul Himmel startet durch (HÖS 2016)

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Paul Himmel startet durch (HÖS 2016)

Aischtaler Filmtheater
Mit Thomas, Evelyn, Carmen, Louis und Marc Berier, Richard Emrich, Johann Schulz, Carla
Müller, Eva Beadling, Christian Kaspar, Emmi Weiss, Willy Bauer, Maria Mühlbauer; der
Firma Biolett, Karli Biendarra, Sabine Kursch. Kamera, Buch, Regie und Schnitt: Werner
Schramm, Ton: Ulrike Schramm
Die Gesellschaft kann nicht das leisten, was eine Familie leistet
Fit fürs Leben in schwierigen Zeiten: Was braucht das Kind von klein auf, um die drei
Grundpfeiler des Lebens – den Beruf, die Liebe und die Gemeinschaft – als Erwachsener
sinngebend zu leben? Wie können wir das Verantwortungsgefühl der Kinder stärken, und wie
fördern wir die Fähigkeiten der Kinder, das Zusammenleben menschlich zu gestalten?
Zwei unterschiedliche Freunde: Paul lebt gewohnt im Hotel Mama, sein Freund Christian muß
zuhause verantwortlich mit anpacken. Durch seine Unzuverlässigkit droht Paul die Lehrstelle zu
verlieren. Christian lernt in seiner Optikerlehre fachlich viel und versucht Paul, in verbindliche
Bahnen zu helfen – auch in der Freundschaft. In der Familie wird der Grundstein dazu gelegt,
was zum Gemeinschaftsgefühl ausreifen kann. Die Verbindung zum Du, zum Mitmenschen
wird hier gelebt. Sie kann gefördert werden und sich entfalten. Die Beziehung zu den
Geschwistern aber auch zu den Eltern bzw. Großeltern ist ein schönes Feld, dies zu entwickeln.
Paul hingegen konnte lange Zeit seinen verwöhnten Lebensstil ausleben, nun holt sich seine
Mutter bei einem Laufbahnberater Rat, um ihn zu einem realitätsbezogenen Mitmenschen
anzuleiten. Sie möchte ihm zu einem strukturierten Leben verhelfen, damit er Lehrstelle und
Berufschule endlich erfolgreich wahrnimmt und auch seinen Geschwistern gegenüber
unterstützend wirkt. Anhand des alten Theaterstücks von Max Brehm aus dem Jahr 1948
interessiert Christians Mutter ihren Sohn für ein Stück Geschichte Höchstadts und regt ihn an,
gemeinsam mit Paul einzelne Szenen für den Deutschunterricht vorzubereiten. Paul beginnt mit
Unterstützung seines Freundes, auch in der Familie eine konstruktivere Rolle zu spielen und
kann noch einmal die Lehrstelle antreten.
Doch wie kann dieser Prozess begleitet werden? Was bedeutet konsequente Erziehung ohne das
Gefühl zu haben, dem Kinde damit etwas anzutun? Wie können wir alle zu mehr sozialer
Verbundenheit beitragen, sich im Wechselspiel mit dem anderen nah zu fühlen? Die
globalisierte Wirtschaft dient nicht mehr dem Menschen, sondern sie bedient sich der Menschen
als Humankapital. Das muß auch Pauls Vater erfahren. Vielfach muß ein Elternteil – wie Pauls
Vater Thomas – auswärts arbeiten, oft wochenlang von der Familie getrennt sein, was
entfremdend wirken kann. Oft haben Eltern das Gefühl, mit einer klaren Stellungnahme und
klaren Zielvorgaben tue man dem Kind etwas an und verwöhnen es statt dessen, was das
Selbstwertgefühl des Kindes schwächt. Sie trauen sich nicht, von ihm zu verlangen, dass es sich
anstrengen soll. Der Film zeigt auch diesen Prozeß einer Umsteuerung durch die Eltern im
Erziehungsprozeß, nachdem sich die Mutter von Paul Rat bei einen Laufbahnbrater geholt hat.
Großvater Johann hilft dabei ebenfalls mit, indem auch er Paul zu mehr Heimatverbundenheit
(Unterstützung durch Emmi Weiss von den Aurach Spatz‘n) und verbindlichem Mitwirken in
Schule und Familie anleitet.
Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff macht deutlich: „Wir verlagern die Verantwortung
für die Zukunft unserer Kinder auf unsere Kinder selbst. Unter dem Deckmäntelchen einer
partnerschaftlichen Denkweise in der Erziehung verweigern die Erwachsenen in zunehmenden
Masse die Verantwortung für die emotionale und soziale Kompetenz folgender Generationen. …
Wenn wir nicht wollen, dass wir immer mehr Egoisten, Narzissten sowie beziehungsunfähige
und lustorientierte Egoisten in unserer Gesellschaft haben, müssen wir sehr schnell aufwachen
und Gegensteuer geben. … Die emotionale und soziale Kompetenz von Menschen ist der Kitt
unserer Gesellschaft. Wenn sie verloren geht, bricht die Gesellschaft auseinander.“1
Eltern müssen stark sein und ihre Führungsautorität behalten! Sonst wird das Kind früh
autonom und wechselt in eine Peergroup. Wenn Kinder immer nur machen dürfen, was sie
wollen, lernen sie weder Durchhaltevermögen noch Konzentration, sie lernen nicht,
zurückzustecken und ihre eigenen Bedürfnisse zu verschieben, und sie lernen auch nicht,
vorausschauend zu sein. Solche Kinder haben keinen Respekt vor ihren Eltern, weil die ihnen
keine Grenzen vorgeben und ihr Kind nicht „festhalten“. Es fühlt sich alleine und hat keine
Struktur auf der Welt. Die Kinder solcher Eltern sehen in ihren Eltern keine Personen, sondern
Diener, und fühlen sich selbst als Chef. Das führt aber dazu, dass sie keine Grundsicherheit
spüren, sie wissen nicht, wer sie beschützen könnte und auf wen sie sich verlassen können.
Sie haben keine Bereitschaft, sich anzustrengen, und keinen Leistungswillen. Sie wollen nicht
erst lange dienen, bevor sie Chef werden. Und noch etwas: Diese Menschen werden die ältere
Generation nicht mehr pflegen. Sie haben eine Grundausrichtung, die ihnen sagt: Nur ich bin
wichtig, und mich für andere zu engagieren oder gar aufzuopfern kollidiert massiv mit meinen
Bedürfnissen. Sie haben eine Ich-Brille auf, sie beurteilen ihre Umgebung nur danach, was sie
ihnen für Vorteile bietet. Das ist der reine Narzissmus. Aber eine Gesellschaft, in der die
Generationen nicht zusammenhalten, wird zerfallen.2
Die Eigenaktivität hingegen stärkt das Selbstwertgefühl. Die Grundlagen für diese Haltung
werden in der frühen Kindheit, abhängig von der Persönlichkeit und der Gefühlsdisposition der
Mutter gelegt. So hat sich ein Säugling bereits mit zwölf Monaten ein Bild von der Welt
gemacht und ist zu einem aktiven Mitspieler geworden. Der Säugling und das Kind schliessen
sich ihren Eltern, die ihr Leben sinnvoll und aktiv-vorausschauend führen, an. Die Eltern bilden
mit dem Kind ein Bündnis mit dem Gedanken: Wir gehen den Weg gemeinsam.
Die Volkswirtschaft im kleinen, die Gesellschaft im kleinen ist die Familie. Die Gesellschaft
baut auf der Familie auf. Wenn die Gesellschaft im kleinen, also die Familie, kaputtgeht, geht
die Gesellschaft im grossen auch kaputt. Die Folgen kann die Gesellschaft im Grossen nicht
tragen. Warum brauchen wir Sozialarbeiter an den Schulen? Weil die Kinder zu Hause nicht
mehr das Minimum an Alltagsfähigkeiten lernen. Es beginnt damit, dass sie nicht lernen,
morgens aufzustehen, etwas Anständiges zu frühstücken, in die Schule zu kommen (und zwar
pünktlich, denn sonst funktioniert es nicht). Dort müssen sie 45 Minuten dem Unterricht folgen
und mitmachen, dann müssen sie mittags nach Hause gehen und eigentlich wieder etwas zu
essen bekommen. Der Fernsehkonsum mit seinen Mobbing- und Gewaltvorbildern trägt ein
übriges dazu bei, daß die Ellbogengesellschaft immer mehr auf dem Vormarsch ist.
1 Winterhoff, Michael. SOS Kinderseele. Was die emotionale und soziale Entwicklung unserer Kinder gefährdet und
was wir dagegen tun können. München 2013
2 Vgl.„Viele Kinder von heute werden totale Narzissten“ FAZ 20.04.2016. Martina Leibovici-Mühlberger: „Wenn die
Tyrannenkinder erwachsen werden: Warum wir nicht auf die nächste Generation zählen können“.

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